Meditation ist …

Meditation ist nicht Kontrolle

„Meditation ist nicht bloss die Kontrolle von Körper und Gedanken, sie ist auch kein System des Ein- und Ausatmens.“ Bei diesen Worten von Krishnamurti horche ich auf. Was kommt jetzt? Was ist Meditation? Es ist so einfach, worauf er hinauswill und es ist so unmittelbar wirksam im gleichen Moment, in dem ich mir dessen bewusst werde:

Man muss mit dem Geist beginnen

„Man muss mit dem Geist beginnen und nicht mit dem Körper, dem Geist, der das Denken und die Vielfalt der Ausdrucksformen des Denkens ist. Die blosse Konzentration macht das Denken eng, begrenzt und starr, doch die Konzentration kommt als etwas Natürliches, wenn man seiner Denkgewohnheiten gewahr wird. Dieses Gewahrsein kommt nicht aus dem Denker, der auswählt und verwirft, der festhält und ablehnt. Dieses Gewahrsein kommt ohne Wahl und umfasst sowohl das Äussere wie auch das Innere; es ist ein Austausch zwischen beiden, und damit geht die Trennung zwischen dem Ässeren und dem Inneren zu Ende. …

Aufmerksam werden für die Unaufmerksamkeit

Im Gewahrsein aller Vorgänge entsteht Aufmerksamkeit, die nicht das Produkt von Unaufmerksamkeit ist. Die Unaufmerksamkeit hat ja die vergnüglichen Gewohnheiten des Körpers diktiert und die Intensität der Gefühle verwässert. Unaufmerksamkeit kann nicht in Aufmerksamkeit verwandelt werden. Das Gewahrsein der Unaufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit“ schreibt Krishnamurti in seinem Buch „Liebe gleicht dem Duft der Rose“ auf Seite 93.

Still werde ich von selbst, wenn …

Das Gewahrsein der Unaufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit. Ganz einfach. Diese Feststellung finde ich sehr erhellend. Wie oft probiere ich, über Konzentration Kontrolle über meine inneren Vorgänge zu bekommen, auch in der Meditation oder gerade dort. Ich erhöhe dabei die Anstrengung und ungewollt den inneren Konflikt zwischen dem, was ist (Unaufmerksamkeit) und dem, was ich möchte, was ich mir vorstelle (z.B. still werden zu wollen). Still werde ich von selbst, wenn ich mir der Unaufmerksamkeit bewusstwerde. Es ist nicht machbar. Es ist geschieht vielmehr.

Jene, die mit mir meditieren, wissen, dass ich den Körper als äusserst hilfreiche Tür in die Gegenwärtigkeit ansehe. Deshalb beginne ich auch gerne die Meditationen damit, den Fokus auf den Körper zu lenken, das Gewicht zu spüren, meine Basis, mich zu erden usw. Ich werde das auch entgegen dem Rat von Krishnamurti wahrscheinlich noch oft so machen und anleiten. Und zugleich ist mir sein Impuls präsent: Unaufmerksamkeit nicht vertreiben zu wollen, sondern ihrer bewusst zu werden.

Martin Steiner

Durst nach Leben?

Heute Morgen war ich in der Stadt: auf der Bank, im Café, beim Arzt, im Reisebüro. Neben dem Bahnhof von Bern kam ich beim Burgerspital vorbei, das jetzt Haus der Generationen heisst. Es hat einen grossen Innenhof. Mitten in dem Innenhof plätschert ein Brunnen. Hier im Herzen der Stadt, mitten im pulsierenden Leben, fliesst dieser Brunnen. Ich hielt inne, hörte das Plätschern, wurde still, wendete mich nach innen, verband  mich mit meiner Quelle, wurde ruhig, wurde still, Fröhlichkeit begann zu sprudeln. Es waren nur ein paar Sekunden, nicht einmal eine Minute und das Leben fühlte sich anders an.

So viel von meinem/unseren Jagen uns Suchen entspringt dem Vergessen: ich spüre meine innere Quelle nicht und hoffe etwas zu finden, das mich nährt, mir meinen Lebensdurst stillt. Es ist einfach und es ist schön, zu diesem inneren Platz zu gehen.

Beeindruckend ist für mich auch, dem Brunnen den Rücken zu kehren und langsam auf das Tor zu und durch das Tor hinaus auf die Strasse zugehen: Vor mir Menschen, Autos, Verkehr, Bewegung. Da lebt es, da geht die Post ab. Und hinter mir, nicht mehr hörbar, aber noch sicht- und spürbar, der Brunnen, das Plätschern.

Was hilft mir mitten im Leben  mit der inneren Quelle verbunden zu bleiben, in der Bewegung, im Reden, im Tun die Verbindung nach innen nicht zu kappen?